Ueber das neue und mittlerweile dritte Studio Album ”Plastic
Beach” fielen die Kritiken weniger einhellig aus als zu den (zu Recht) gehypten
Vorgaengern. Der Charterfolg knuepfte zwar an den des nun bereits fuenf Jahre
alten Albums ”Demon Days” an, der erste Eindruck laesst aber doch etwas weniger
Hitpotential vermuten. Die Gorillaz, das von Damon Albarn und Jamie Hewlett vor
ueber zehn Jahren gegruendete virtuelle
Band-Projekt, wirken noch ein wenig duesterer, melancholischer als gewohnt.
Nichts desto trotz funktioniert
der Stilmix aus Pop, HipHop, Soul und elektronischen Elementen auch auf Album
Nummer drei gut und in gewohnter Manier haben die vier Comic Bandmitglieder
wieder Unterstuetzung von einigen prominenten Gastmusikern erhalten (darunter dieses
Mal Snoop Dogg, Lou Reed, De La Soul sowie Mick Jones und Paul Simonon von The
Clash).
Wir sind also gespannt
was uns erwartet als wir uns am Abend des ersten Festival Tags auf den Weg zur Orange
Stage machen. Das Konzert startet mit halbstuendiger Verspaetung doch als es losgeht
herrscht auf der Buehne wie im Publikum sofort eine mitreissende Stimmung. Wer dachte,
dass es die Gorillaz am Plastic Beach ruhiger angehen lassen, hat sich getaeuscht.
Ein beeindruckendes Aufgebot an Musikern fuellt die Buehne: ein
Streichorchester unterstuetzt fast alle Songs, zusaetzlich steuern mehrere
Blechblaeser und das Hypnotic Brass Ensemble (das am naechsten Tag noch einen
eigenen Auftritt bestreiten wird) ihren Teil zu diesem fulminanten Musikmix
bei. Teilweise befinden sich bis zu vierzig Musiker auf der Buehne. Waehrend Snoop
Dogg fuer die Zuschauer nur auf der Leinwand erscheint, sind die Rapper Kano
and Bashy, die Saengerin Fukimi Nagano und weitere Gaststars live dabei.
Ueberhaupt stimmt die Mischung aus virtueller Show und live Musikern, die
schnellen Videoprojektionen der stylischen Comicband machen in der Kombination mit der realen Buehnenshow
erst richtig Spass. Dementsprechend begeistert wird der Auftritt vom Publikum
gefeiert und Damon Albarn bedankt sich dafuer mit den Worten: ”You brought us
to life tonight!”
Auch musikalisch ueberzeugt
die Band, die Bandbreite, die von basslastigen HipHop Beats bis zu coolen Britpop
Riffs reicht, laesst die Hueften schwingen und das Herz hoeher schlagen. Die unterschiedlichen
internationalen Einfluesse machen den Eindruck einer fantasievollen Musikutopie
perfekt.
Die virtuelle Band der
Gorillaz ist einst aus der Kritik an der Musikindustrie heraus entstanden und
jetzt, Jahre spaeter und als etablierte
Pop Groesse, stellt sich die Frage was davon bleibt. Nach dem Auftritt glaubt
man einen kleinen Eindruck davon erhalten zu haben. Damon Albarn und Jamie Hewlett
haben sich inzwischen laengst groesserer Themen angenommen, nicht nur eine Band
sondern ein eigenes kleines Universum geschaffen. Und sie geben sich nicht mit
der virtuellen Bildhaftigkeit ihrer Weltkritik, dievor allem in einigen
Musikvideos ihren Ausdruck findet, zufrieden sondern wollen real gestalten.
Da passt die heutige
Meldung der Festivalleitung, dass die Roskilde Festival Charity Society in Kooperation
mit den Gorillaz fuenf Charity Organisationen ausgewaehlt hat, denen ein Gesamtwert
von 100.000 € gespendet wird.
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