Man muss Versäumnisse auch zugeben können, und ich habe
allem Anschein nach ein großes Versäumnis auf meiner Liste. Das
Debütalbum von Bonaparte, "Too Much"-betitelt ist mir völlig entgangen.
Wenn man nun das neue Album My Horse likes You hört, das seit 04. Juni
in den Regalen der gut sortierten CD-Läden stehen sollte, dann liegt die
Vermutung nahe, bei Too Much sehr viel verpasst zu haben.
Bonaparte sind voll von Energie,
von verrückten Ideen, die mit solcher Hingabe inszeniert werden, dass
das Album unmittelbar zupackt und einen mitreißt auf einen musikalischen
Trip der Extraklasse. Das Bild der Weltreise liegt zwangsläufig nahe,
da verschiedenste musikalische Einflüsse genauso selbstverständlich
eingewoben werden, wie sich neben Englisch auch mal russisch, binär und
deutsch als Gesangssprache breit machen. Das überrascht und passt dabei
auch noch überraschend gut. Egal ob es jetzt Western-Swing-Pianoeinlagen
sind, ob es das balalaikahafte Technologiya ist
oder Bitmusik in My Computer in Love. Selbst die Ouverture, die knapp
vorbei geht an orchestralen Arrangements passt da irgendwie dazu.
Bonaparte scheinen keine Konvention zu kennen und halten sich nicht
einmal daran. Dabei erinnern sie mich mehr als
einmal an Woog Riots, klingen jedoch kompromissloser dem Rock
verschrieben. Das ist aber mehr als nur Elektrorock, Alternative oder gar Indierock; das
ist avantgardistisches Post-Punk-Swing-Rock-Electronika und macht
abseits von jeglichem Genre-Schubladendenken vor allem eines: tierisch Spaß.
Musik wie Texte sind mit einem
Lachen zu nehmen, etwa die stalkerhafte Liebeserklärung eines PCs an
seinen Nutzer, das wortverliebete Rave Rave Rave oder das schon erwähnte
Technolgiya mit der wundervollen Zeile „I shave and I get stubble,
nature’s only making trouble“. Ein überzeugendes Argument, wie ich
finde.
Machen wir es
kurz: Bonaparte sind energiegeladen,
kreativ, abenteuerlustig und unbedingt Allen zu empfehlen, die wie ich vorher noch keine Begegnung mit der Band
hatten. Wer die Band schon
kennt wird sicher ohnehin
alles tun, um seine Hände an das neue Album legen zu können. Noch kürzer: Kaufen!