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Der Grat, er ist schmal. Zwischen Zauber und Zirkus. Wahrscheinlich
in jedem ernst zu nehmenden Genre. Für das „NDR2-einfach-mehr-Auswahl-Ohr" kaum
wahrnehmbar, entscheidet dennoch der Teufel im Detail, ob du es drauf hast oder
nicht: Bist du Outlaw Johnny Cash oder Gartenzwerg Garth Brooks, Kettcar oder
Tomte, Slime oder Toxoplasma, Bragg oder Biermann, Dragonforce oder Rhapsody...
...bzw. Fury in the Slaughterhouse oder The Noonday Dreams?
Wobei das mit dem Detail natürlich nicht stimmt. Selbstredend geht es ums große
Ganze: Wenn du insgesamt eine gute Plattensammlung hast, ergo ein
ebensolcher Mensch bist, wird deine Band mit erhöhter Wahrscheinlichkeit
unpeinlich - auch im Detail.
Die mittelalten Herrschaften der einmal längs durch die
Republik verteilt lebenden Noonday Dreams sind gute Menschen. Ansonsten würden
sie niemals klingen wie New Model Army, während diese als Mozzer seine Truppe
verkleidet beim Poetry-Slam von Nick Cave auflaufen. Um dort aber mal so
richtig aufzudrehen. Zwischen flottem Ohrwurm mit betörend tänzelnder Gitarre
(„Shelleyan Cloud"), Mörderballade („Alaska Murder Ballad") und Polka-Blues mit
Schifferklavier („Sinking Slowly") machen und können sie alles. Sogar ´ne Runde
auf dem Rodeo-Bullen in der Scheune nebenan wird angedeutet („Shirley").
Angedeutet! Alles natürlich mit Style, also zwar durchaus blitzenden Augen,
aber immer schön mit den Mundwinkeln nach unten.
Oder um es nicht ganz so bildlich zu sagen: „The Shelleyan
Cloud" spendiert sowohl eiskalte Tropfen der Verzweiflung als auch
grellschwarze Blitze der Melancholie und wattige Schwaden der verträumten
Schwelgerei und ist somit nichts weniger als das perfekte Rockalbum für Freunde
und Freundinnen dieser Gemütszustände. Und deren Freundinnen und Freunde.
Und besser ist das auch. Denn laut Info hatte die Platte
eine Inkubationszeit von einer runden Dekade. Da hätten die Kollegen nun
ernsthaft nicht mit irgend so ´nem Ganz-nett-Scheiß um die Ecke biegen dürfen.
Also, all ihr qualitätsbewussten guten Menschen mit dem
Weltschmerz im Blick, dem Shelley - wohl so etwas wie der Frank Stallone der
Literatur - unterm Kissen und der Faust in der Tasche: Versorgt euch mit diesem
Kleinod und ihr werdet euch dereinst nicht rechtfertigen müssen...
P.S.: Groß. Da verzichte ich doch aus freien Stücken eine
Dreiviertelstunde darauf, zur Doublebass angeschrieen zu werden. Was etwas
heißen will.
P.P.S.: Könnte ich fremdländisch, ich setzte mich
weiterhin mit den vermutlich vielschichtigen Texten der Platte auseinander. Wer
will und kann, ergötze sich auch an deren lyrischem Gehalt. Ernsthaft.
Tracks
- 1. Shelleyan Cloud
- 2. Alaska Murder Ballad
- 3. The Awakening
- 4. Tell-Tale Bar
- 5. Shirley
- 6. Flow
- 7. Harbour Town
- 8. Our Universe
- 9. Dawning
- 10. Sinking Slowly
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