Erinnert sich noch jemand an die (relativ kurze)
Erfolgsgeschichte der Band Echt? Kaum? Gut! Leider hat das bald ein Ende, dann
nämlich wenn man über das Album von Tommy Finke stolpert. Gehen wir mal nicht
auf meine angeborene Abneigung gegen den „Namen“ Tommy ein, dieses anbiedernde
sich-nicht-selbst-ernst-nehmen-wollen Kumpel-von-nebenan und
Ach-bin-ich-so-bodenständig-Getue. Nein, das lassen wir mal ganz außen vor.
Tommy Finke, seines Zeichens Singer/Songwriter hat ein
Album auf den Markt geworfen. Es ist nicht das Erste, aber das erste, das mir
in die Ohren kommt. Tommy Finke hat alle seine Songs selbst geschrieben
(teilweise in einem Zimmer in friedhofsnähe!???). THX for the Info!
Tommy Finke macht weichgespülten Deutschpop der Marke
gerade-noch-so-Rockmusik. Oder doch nicht? Man weiß es nicht so genau, denn
Tommy Finke hat ein Doppelalbum aufgenommen, technisch gesehen zumindest.
Planet der Affen/Poet of the Apes ist nämlich zweimal das selbe Album, einmal
auf Deutsch, einmal auf Englisch. Wozu? Das weiß nur Tommy Finke. Die Vermutung
liegt nahe, dass Tommy auch auf dem ausländischen Markt Fuß fassen möchte. Es
sei ihm gegönnt.
Wer es bis hier noch nicht aus den sanft eingepflegten
sarkastischen Zwischentönen bemerkt hat, dem sei gesagt: Ich finde das Album
grausam. Nicht etwa weil die Musik völlig ungenießbar sei, die Produktion misslungen
und auch sonst alles falsch gelaufen. Das kann man ehrlich nicht behaupten.
Tommy Finke steht für gut gemachten Radiopop zum Schmelzen von Herzen pubertierender
Mädels mit Zahnspangen und dem ein oder anderen Pickel im Gesicht. Das Ganze
ist hervorragend produziert, abwechslungsreich , wenn auch nie experimentell und wirkt erst mal sympathisch.
Aber es ist auch alles, was falsch läuft an der
Musikindustrie derzeit: Musik ohne jegliches Überraschungsmoment, Musik die so
weichgekocht ist, dass man den Unterschied zu Phillip Poisel oder Echt kaum
noch wahrzunehmen vermag, Musik die fürchterlich durchschaubar auf
größtmögliche Vermarktungsfähigkeit produziert wurde, die keinen Charakter des
Künstlers mehr erahnen lässt, das Produkt gewordene Klischee eines deutschen
Indiesongschreibers. Demnächst folgt sicher der Auftritt in GZSZ und Konsorten
um die Zielgruppe ins Herz zu treffen und der Rubel wird vielleicht rollen,
vielleicht auch nicht. Zwei Dinge sind dabei aber jetzt schon völlig
vorhersehbar: In wenigen Jahren wird sich keiner mehr damit rühmen, eine Tommy
Finke CD im Regal stehen zu haben und musikalisch wird Tommy Finke nichts, aber
auch gar nichts ausgemacht haben. Ist das der ehrliche Wunsch eines Musikers?
Geld um jeden Preis auch wenn das heißt, dass man nur noch ein Abziehbild eines
Künstlers ist? Das ganze gipfelt dann noch in der Produktion des
Pseudo-Doppelalbums: Du magst mich nicht auf Deutsch? Vielleicht probierst Du es
mal auf Englisch, notfalls werfe ich noch eine türkische, japanische,
französische und russische Version hinterher. Musik als Modulbaukasten. Wenn
man jetzt noch Musikstil und Darbietung auswechseln könnte …
Bitte Tommy, ich gehe ehrlich davon aus, dass Du mehr
Mut zu Musik in Dir hast, das Talent wäre vermutlich da. Aber in diese Machart
macht das wirklich gar keinen Spaß. Weniger berechnend, mehr echte Musik und es
könnte tatsächlich eine nachhaltige Karriere draus werden. Das wär doch mal
spannend. So aber hat die Welt ein (Doppel-)Album mehr, dass die Welt nicht braucht.
Veröffentlichung am Freitag den 29. Januar 2010!
Trackliste:
Poet der Affen/Poet of the Apes
Borderline Betty/Borderline Betty II
Stop the Clocks/Stop the Clocks II
Die B-Seite der Single/The B-Side of the Single
Es kommt kein Schiff/No Ferry cross the Mersey
Raus aus dieser Stadt/Leaving the City
Die Arroganz der Gosse/Gutter Arrogance
Um den Schlaf gebracht/When she wiped all my Sleep away
Eigentlich sind sie als Punkband Unterwegs/They are a
Punkband after all