Americana ist eine seltsame Musikrichtung; genauer
gesagt musikgewordenes Klischee von allem, was amerikanisch scheint, und man
muss zugeben, Americana klingt nach Amerika (, The United States of). Adam
Arcuragi ist per Definition wohl unter Americana abzulegen, wobei mir zugegebener
Maßen der Unterschied zum Alternative Country bislang nicht offenbar geworden
ist. Wie dem auch sei, I am Become Joy heißt das neue, das dritte Werk des
hierzulande nicht einmal bei Wikipedia gelisteten Künstlers aus den Vereinigten
Staaten.
Fangen wir zur Abwechslung einmal mit dem an, was das
Album alles falsch macht:
Als erstes ist hier die Produktion zu nennen. Oftmals wird die Bedeutung von
Produktion völlig falsch eingeschätzt. Es gibt zu viele Künstler, die meinen
mit einer ausgefeilten Produktion schlechtes Songwriting vertuschen zu können
(Man höre nur einmal Mainstream-Radio) und es gibt die Künstler die glauben,
ihre Songs seien so bezaubernd, dass die Qualität der Aufnahme und das
Abmischen und ausfeilen der Songs nur unnötig Zeit verbrennt. Willkommen in der
Galaxie von Adam Arcuragi, dazu aber später noch mehr.
Bemängeln darf man wohl auch die Vielseitigkeit des
Albums, genauer gesagt die fast völlige Abwesenheit von wesentlicher Variation.
Alle Songs sind eher moderat im Tempo, klingen irgendwie nach Prärie, Cowboys,
Trucking gemischt mit dem Weltschmerz des Grunge. Wie gesagt, Alternative
Country oder eben Americana oder wie auch immer man das nennen mag.
Macht Adam A. denn jetzt eigentlich auch was gut? Ja,
eindeutig. Trotz mangelnder Produktion, die sich in dünnem Sound und
Demotape-Atmosphäre manifestiert schaffen es die Songs tatsächlich, zu
berühren. Man weiß, dass es irgendwie gut ist, aber man tut sich leider etwas
schwer darin, dass auch durchgehend zu sagen. Warum? Richtig, mangels
investierter Arbeit in die Produktion. Die Songs klingen im Kern gut, aber die
Schale ist so schrecklich veraltet oder, schlimmer noch, rückwärtsgewandt, dass
man sich auch nicht wundern würde, wäre die Aufnahme in den 60ern entstanden.
Großes Schade, ehrlich.
Das Fazit fällt schwer. Vielleicht ist Americana
einfach nichts für Europäische Lauscher, vielleicht ist das Album einfach nur
zu sehr Country oder zu schlecht und überhastet vom Studio auf der CD gelandet;
fest steht, der Klang ist ein Abtörner, obwohl die Songs eigentlich gut
klingen. Etwas mehr Arbeit reingesteckt, etwas mehr Experimtierfreude und
Abwechslung und Adam Arcuragi könnte locker Matt Costa einholen und auf hohem
Niveau angenehme Gitarrensongs für schöne Lagerfeuerabende, Sommernächte und
andere schöne Momente bereitstellen. So verpufft der gute Ansatz im Songwriting
leider ohne großes Aufsehen in den weiten der mittlerweile schier unendlich
großen Indiemusik-Prärie.