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Bessere Zeiten - 7inch EP PDF Print E-mail
Written by Marek   
Wednesday, 23 December 2009

bessere zeitenVier junge Männer aus Hamburg machen Musik. Sie bauen dabei zwar auch mal Gebläse oder Elektronik ein, im Wesentlichen konzentrieren sie sich aber auf die verlässliche Bank Gitarre/Bass/Schlagzeug/Gesang. Und dennoch: Definitiv ein Fall für das Feuilleton einer überregionalen Tageszeitung oder die Spex.

 

 

Denn musikalisch nimmt das Quartett nach dem schmissigen Öffner „Schneisen schlagen" eher Tempo raus und der Gesang erinnert nicht nur von der Phrasierung her bisweilen an Jochen Distelmeyer. Wobei ich a) eigentlich keine Ahnung von Blumfeld habe und b) mit der Textexegese noch nicht weit genug fortgeschritten bin, als dass ich wirklich guten Gewissens von bspw. einem funkelnden Lyrik-Kaleidoskop der denkenden (Gegen-)Kultur sprechen könnte, das Bilder zwischen Mensch(lichkeit) und Gesellschaft(lichkeit) in einem fort erschafft und einreißt, aufbaut und wieder zerstört, erschafft und wieder einreißt...

Allerdings bleibt schon beim Erst- bzw. Zweitkontakt eine so auffällig hohe Anzahl an - man muss es so sagen: Aphorismen - hängen, dass diese bunten Scherben im Grunde das skizzierte Spiegelrohr ergeben müssen. „Weltgeist ist zu viel für die Verfassung", „sich bloß Verstricken wird zu Überlebensmythen" und „du wolltest eben zu Hans Dampf ins Exil" seien nur als schnelle Beispiele aus einem Stück genannt (Faustlos leben).

Bedeutsam und semantisch flexibel sind dabei auch und vor allem die Einlassungen im letzten Stück zum Thema „Inkonsequenz": „Wenn sich von den Leuten niemand selbst daran verletzt, wird Inkonsequenz nicht immer unterschätzt. All dies ist nicht kritisierbar, okay? Schau mal an: Nicht kritisierbar."

Mit anderen Worten: „Fakt ist: Konsequent kritisiert schmerzen niemanden all die geschätzten Leute. Und das ist okay." Bzw.: „Inkontinenz darf so lange von allen Leuten geschätzt werden, bis es Verletzte gibt. Aber - okay - das muss jeder selbst herausfinden." Oder auch: „Verletzen darf man die Leute konsequenterweise immer, nicht jedoch sich selbst. Und all das ist kritisch - aber okay?" Gottchen, je länger ich drüber nachdenke, desto duseliger wird mir...

Also mache ich mich mal besser wieder an den intellektuellen Abstieg und höre mich langsam und gezielt von den Besseren Zeiten über Bosse und Bernd Begemann bis zu den Bronx Boys runter. Parallel komme ich sukzessive von der Spex wieder bei der Bild - okay, das geht zu weit, besser: bei der Morgenpost - an. Und auf dem Klo wartet auch schon die Plastic Bomb.

Ah, heilige Trias Saufen/Weiber/Saufen (und Straßengewalt), da bin ich wieder!

„Schlag meinen Kopf auf, doch das klingt nicht"...

 

P.S.: Im Grunde ist das hier schon ganz gut, vielleicht gar aufregend, wenn ich das mal mit der Ignoranz des Nicht-Musikers gönnerhaft festhalten darf. Ich bin wohl nur neidisch auf Abi, Studium und den ganzen Kram. Und wahrscheinlich nehmt ihr uns ja eh auf den Arm.

 

Tracks:

 

Seite "Wer sich erinnert war nicht dabei":

  • 1. Schneisen schlagen
  • 2. Inkonsequenz wird nicht immer unterschätzt

 

Seite "Ahnungen, keine Geschichten":

  • 1. Faustlos leben
  • 2. Ich ebbe ab (mit Nik du Sky)

 

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