|
Ein angezündetes Kulturzentrum in
Rendsburg bot Anlass für ein einzigartiges Benefizkonzert in der
Nordmarkhalle. Kettcar, Turbostaat und Smoke Blow erklärten sich
bereit, einen großen Teil ihrer Gage der T-Stube zu überlassen und
so einen Wiederaufbau zu ermöglichen. Doch erstmal gab es Musik.
Donnerstagnacht im Kieler Weltruf wurde
mir gezeigt, dass das analoge Zeitalter doch noch nicht ganz vorbei zu schein scheint. Die digitale Welt hatte verpasst mir mitzuteilen, dass eine
meiner Lieblingsbands Kettcar in unmittelbarer Umgebung ein Konzert
geben würden. Ein gutes altes Plakat hat auf seine alten Tage gezeigt, wie die alten analogen Hasen der Werbemedien
funktionieren. Wer, Wo, Wann. Kettcar als Band hat mir gereicht,
Rendsburg war ich noch nie und morgen klingt gut.
Den Anfang in der Nordmarkhalle machte
die Flensburger, sagen wir einfach mal Punkband, Turbostaat.
Turbostaat ist eine Band, die seit Jahren auf meiner musikalischen
to-do Liste steht. Ich habe es nur immer wieder verpennt diese Liste
gewissenhaft abzuarbeiten. Ich freute mich also sehr auf das Konzert,
vielleicht würde ja heute endlich den Schalter umgelegt werden, denn
eins war mir klar: Turbostaat ist eigentlich eine sehr gute Band. Ich
höre diese Band nur noch nicht. Und sie waren gut. Sogar sehr gut.
Ein leidenschaftlicher Auftritt, der die Livequalitäten der Band
eindrucksvoll unter Beweis stellte und jedenfalls erklärte, warum
Turbostaat auf 99 von 100 deutschen Festivals anzutreffen sind.
Höhepunkt der Show war das relativ bekannte „Harm Rochel“. Der
Refrain „Leb' doch mehr wie deine Mutter, leb' bloß nicht wie ich“
wurde lauthals mitgeschrien und überzeugte spätestens jetzt auch
die letzten Zuschauer in der ausverkauften Halle.
Smoke Blow waren nie mein Ding. Einfach
nicht mein Geschmack. Trotzdem angesehen, denn wenn man schon mal da
ist und so. Aber leider wurden meine schlimmsten Befürchtungen war:
Smoke Blow lieferten eine Rock-Proleten-Show ab und haben musikalisch
nichts, aber auch wirklich gar nichts in mir bewegt. Nach gut der
Hälfte widmete ich mich dem Bierstand. Dort gab es mehr Unterhaltung
als auf der Bühne.*
Was kann man zu Kettcar noch sagen?
Jeder Auftritt ist ein unverwechselbarer Moment,eine Achterbahnfahrt
der Emotionen. Songs wie „Deiche“ oder „Kein aussen mehr“
trieben der Menge den Schweiß auf die Stirn, Lieder wie „Am Tisch“
oder „48 Stunden“ Tränen in die Augen. Eine gut aufgelegte,
sympathische Band, die mit ehrlicher Musik und keinem Machogehabe a
la Smoke Blow auskommt. Sänger Marcus Wiebusch erklärte
zwischenzeitlich, dass man eigentlich vorhatte unplugged aufzutreten,
doch leider sei der Geigen- oder Cellospieler erkrankt, nur deswegen
sei man heute wieder so „rock“. Der Sound war leider bei allen
Bands nicht sehr gut. Man musste schon sehr weit vorne und mittig vor
der Bühne stehen um den Songs halbwegs folgen zu können. Kettcar
waren die am deutlich besten abgemischteste Band des Abends. Der
normalerweise notorisch nuschelnde Wiebusch war von allen Sängern
des Abends der akustisch Verständlichste.
Leider konnte ich „Ausgetrunken“
nur auf dem Weg aus der Halle hören, da die letzte Bahn zurück nach
Kiel erwischt werden musste. Ich summte leise mit. „Die Haustür
hinter dir. Und vor dir der Nachdurst. Dazwischen: Wir...“ und war
einfach nur froh, dass es noch Plakate gibt, die mir den Weg zu
diesen wunderbaren Konzerten weisen.
* Ich hoffe ich trete keinem Smoke Blow Fan zu Nahe. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass es von dieser Band richtige Fans gibt. Ach, meine Meinung ist doch egal.
|