Jahre
ist es her, dass ich Phillip Boa zum ersten Mal im Fernsehen erblickt habe.
Damals war Tele 5 noch ein richtig cooler Fernsehsender und hatte eine
unglaublich gute Indiemusiksendung (leider ist mir der Name entfallen).
Phillip
Boa brachte seinen Auftritt nicht zu Ende, flippte völlig aus, beschimpfte
alles und jeden und zertrümmerte fast jedes Instrument. Ich weiß bis heute,
dass ich dachte „was für ein arrogantes Arschloch“.
Dieses
Image pflegte er noch jahrelang, dann wurden er und die Geschichten um ihn herum
etwas ruhiger und kaum haben wir uns umgedreht, liegt sein sechstens Album
Diamonds Fall in meinem CD Player. Erster Eindruck: etwas ruhiger ist er geworden,
die musikalischen Ausbrüche (was habe ich Fine
Art in Silver und Clean Eyes For
Dirty Faces geliebt und zu Container
Love getanzt) und Unberechenbarkeiten sind etwas in den Hintergrund
getreten, dafür sind die kompositorischen Fähigkeiten nach vorne gerückt.
Wie
immer gelingt es dem Voodoo Club die CD mit einem grandiosem Opener
einzustimmen: Diamond Falls ist ein gradliniger Tanzflurbeglücker. Ein akkurater
Elektrobeat gibt den stumpfen Beat vor und Gitarre, Bass und Schlagzeug (hier zum
ersten Mal Jaki Liebezeit von CAN) steigen ein, übernehmen und bereiten für des
Meisters Gesang den Boden vor. Geadelt wird das Ganze dann von Pia Lunds
Engelsstimme im Refrain.
Geprägt
wird das Album von dem Midtempo Songs, die in so großer Anzahl und Stimmigkeit
auf den letzten Alben nur schwer zu finden sein dürften. Die ganze Magie des
Albums entschlüsselt sich einem nach mehrmaligem Durchhören. Die feinen
Nuancen, die Anspielungen im Text, die vielschichtigen Arrangements passen
perfekt zueinander. Und mit den beiden letzten Songs DJ Baron Capdriver und
Black Light gelingt es der Band noch zwei Höhepunkte an die letzte Stellen zu
rücken. Einen fast schon typischer Boa Indiesong der alten Schule, der durchaus für den (Indie)Tanzflur
gedacht ist und ein Song Monster mit großen Arrangement und wunderschönem
Backgroundchor.
Schön
zu sehen und zu hören, wie sich Phillip Boa und der Voodoo Club etwa alle zwei Jahre neu
erfinden und sich trotzdem treu bleiben.VÖ ist der 13.02.09